Next Generation Crop Care:
Wie autonome Hackroboter den Pflanzenschutz ergänzen können

Der Druck auf die Landwirtschaft, den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel zu verringern, wächst. Genau an diesem Punkt setzt das Forschungsprojekt „Next Generation Crop Care“ an. Ziel war es, den Einsatz autonomer Hackroboter unter realen Praxisbedingungen zu testen und mit kameragesteuerter, traktorgebundener Hacktechnik zu vergleichen. Im Fokus standen dabei nicht nur technische Fragen, sondern auch Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit.

Breites Versuchsspektrum in Ackerbau und Gemüsebau

Um ein möglichst realistisches Bild zu erhalten, wurden unterschiedliche Kulturen untersucht. In den Versuchsreihen 2024 und 2025 standen unter anderem Zuckerrübe, Sojabohne, Lauch, Sellerie und Weißkraut im Mittelpunkt. Damit konnten sowohl typische Anforderungen des Ackerbaus als auch die besonderen Herausforderungen im Gemüsebau abgebildet werden, etwa enge Reihenabstände, empfindliche Kulturpflanzen und hohe Präzisionsanforderungen.

Große Chancen – aber noch keine alleinige Lösung

Die Ergebnisse zeigen klar: Autonome Hackroboter haben Potenzial, sind derzeit aber noch keine universelle Einzellösung. Mechanische Verfahren können einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln leisten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass rein mechanische Verfahren unter schwierigen Bedingungen – etwa bei hohem Beikrautdruck – wirtschaftlich nicht immer überlegen sind. Der ergänzende Einsatz klassischer Hacktechnik erwies sich deshalb in mehreren Kulturen als sinnvoll, um Erträge zu stabilisieren.

Technikvergleich: Robotik versus kameragesteuerte Hacktechnik

Der direkte Vergleich der Systeme zeigt ein differenziertes Bild. Das kameragesteuerte Hackgerät überzeugt durch hohe Flächenleistung, technischen Reifegrad und Flexibilität in unterschiedlichen Kulturen. Nachteile sind der notwendige Einsatz einer Zugmaschine, höherer Bodendruck und begrenzte Möglichkeiten im unmittelbaren Pflanzenbereich. Der autonome Hackroboter punktet dagegen mit geringerem Bodendruck, autonomer Arbeitsweise und dem Potenzial für sehr präzises Arbeiten nahe an der Pflanzenreihe. Seine aktuellen Schwächen liegen vor allem in der geringeren Flächenleistung, den hohen Investitionskosten und dem noch begrenzten Entwicklungsstand der Technik.

Besonders interessant für den Gemüsebau

Gerade im Gemüsebau zeigte sich ein spannendes Potenzial. In Kulturen mit größeren Reihenabständen, etwa Sellerie und Weißkraut, konnten gute Ergebnisse erzielt werden. In empfindlicheren Kulturen wie Lauch oder Schwarzkümmel stieß das System hingegen schneller an Grenzen. Unebene Böden, enge Reihenabstände und hohe Anforderungen an Sensorik und Werkzeugführung erschweren hier bislang einen stabilen Einsatz.

Die Zukunft liegt im Hybridansatz

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Projekts ist, dass die Zukunft vermutlich nicht in einem Entweder-oder liegt. Weder autonome Hackroboter noch klassische Hacktechnik sollten isoliert betrachtet werden. Vielmehr spricht vieles für einen Hybridansatz, bei dem unterschiedliche mechanische Verfahren gezielt kombiniert werden. So lassen sich Pflanzenschutzmittel reduzieren, betriebliche Risiken besser abfedern und gleichzeitig Erträge absichern.

Fazit

Das Projekt „Next Generation Crop Care“ zeigt, dass autonome Hackroboter längst keine reine Zukunftsvision mehr sind. Sie bieten konkrete Chancen für einen präziseren, bodenschonenderen und nachhaltigeren Pflanzenbau. Noch ersetzen sie bestehende Technik nicht vollständig, aber sie können sie sinnvoll ergänzen – besonders dort, wo Präzision und reduzierte Handarbeit entscheidend sind.